Kammermusik: tröstlich
Mit Kammermusik zur Fastenzeit startete die Musikkirche Tauberbischofsheim in das neue Veranstaltungsprogramm.

Zur Aufführung gelangten Werke von Dietrich Buxtehude, Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach. Mitwirkende waren: Marie Christine Köberlein (Sopran), Maria Gimeno Regal (Oboe), Katharina Cording (Violine), Milena Ivanova (Violoncello) und Julia Kohler (Orgel). Pfarrer Thomas Holler gab geistliche Impulse.
„Die Botschaft Jesu spendet Hoffnung auch über den Tod hinaus“, erklärte Thomas Holler zur Einführung. Weil Jesus die Menschen liebe, nehme er sie mit all ihren Fehlern an und finde Wege der Vergebung. Der Musik sprach Holler dabei eine Vermittlerrolle zu. „Bei all dem, was die Seele aufrührt, kann die Musik tröstlich sein.“
Die geistliche Solokantate des Barockkomponisten Dietrich Buxtehude „Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz“ (BuxWV 95), die das Konzertprogramm eröffnete, bestach durch ihre schlichte Eleganz und tiefe Frömmigkeit. Die in B-Dur gehaltene Komposition strahlte eine helle, aber demütige Zuversicht aus.
Christliche Zuversicht angesichts der Endlichkeit verströmte auch Georg Philipp Telemanns Kantate „Du machst mir, strenger Tod, kein Leiden“ (TVWV 1:392). Das erstmals 1732 aufgeführte Werk verbindet ernste geistliche Themen mit barocker Eleganz und emotionaler Tiefe. Die Musik strahlte durch ihre kunstvolle Melodieführung eine fast tröstliche Ruhe aus, die den Tod nicht als Ende, sondern als Übergang begreift.
Ein faszinierendes Gegenstück bildete Telemanns „Mesto“ aus der „Triosonate in g-Moll“ (TWV 42:g5) das die gleiche emotionale Tiefe auf rein instrumentaler Ebene spiegelte. Zusammen betrachtet zeigten beide Werke zwei Seiten derselben Medaille: Die Kantate bot den theologischen Trost, während das „Mesto“ den Raum für das tief empfundene, menschliche Gefühl der Trauer öffnete, ohne dabei die barocke Eleganz zu verlieren.
Werke von Johann Sebastian Bach bildeten einen zweiten Schwerpunkt. Die Arie „Ich will dir mein Herze schenken“ aus der „Matthäus-Passion“ (BWV 244), das „Andante“ aus der „Triosonate Nr. 4 e-Moll“ (BWV 528) und „Fantasie und Fuge c-Moll“ (BWV 537) bildeten aufgrund der thematische Verwandtschaft und der ähnlichen affektiven Grundstimmung eine „Trilogie der Innerlichkeit“. Während die Arie das „Wort“ lieferte, steuerten das Andante die „reine Empfindung“ und Fantasie und Fuge den „theologischen Ernst“ bei. Als „bewusstes Ja zum Glaubensbekenntnis und gläubige Hinwendung zu Gott“ wollte Pfarrer Holler die drei Beiträge verstanden wissen. Bezirkskantorin Julia Kohler glänzte als Solistin an der Orgel.
Die unerschütterliche Zuversicht des Gläubigen in die göttliche Vorsehung sprach aus Georg Philipp Telemanns geistlicher Kantate „Ich trau auf Gott“ (TWV 1:868). Momente der menschlichen Not schienen kurz auf, bevor sie in der Gewissheit des Glaubens wieder aufgelöst wurden.
Das musikalische Finale gab einen Ausblick auf Ostern und ließ die die Botschaft von der Auferstehung zaghaft anklingen. Die enge thematische und motivische Verwandtschaft zwischen dem „Allegro“ aus dem „Doppelkonzert für Oboe und Violine in c-Moll“ (BWV 1060) und der Sopran-Arie „Letzte Stunde, brich herein“ aus der Kantate BWV 31 mit dem Schlusschoral „So fahr ich hin zu Jesu Christ“ formulierte den sehnsuchtsvolle Wunsch nach der „letzten Stunde“ als Übergang zu Jesus.
Eine zentrale Rolle spielte dabei die Oboe (virtuos: Maria Gimeno Regal), die eine emotionale Brücke zwischen virtuoser Freude und jenseitiger Sehnsucht schlug. Auch die weiteren musikalischen Akteure Marie Christine Köberlein, Katharina Cording, Milena Ivanova und Julia Kohler brillierten mit ihren Darbietungen. Das Konzert wurde damit zu einer wichtigen Wegmarke in der 40-tägigen Fastenzeit. Die emotionale Kraft der Musik regte zu Selbstreflexion und Umkehr an. Ostern kann kommen.
Ulrich Feuerstein
Bild: Kammermusik zur Fastenzeit mit (von links): Julia Kohler (Orgel), Milena Ivanova (Violoncello), Katharina Cording (Violine), Maria Gimeno Regal (Oboe) und Marie Christine Köberlein (Sopran).