Orgelfeuerwerk

Ein Feuerwerk der besonderen Art veranstalteten Christian Schmid und Pfarrer Thomas Holler in der Pfarrkirche St. Martin.

Vielfältige Orgelmusik und Gedanken zum Jahreswechsel ließen Erlebtes im zurückliegenden Jahr Revue passieren und musikalisch nachklingen. Mit dem Glockengeläut um Mitternacht und einem schwungvollen Orgelstück starteten die Besucher ins neue Jahr.
„Der Jahreswechsel ist auch eine Zeit des Umbruchs“, erklärte Pfarrer Thomas Holler. Damit können seiner Meinung nach durchaus positive Entwicklungen verbunden sein. In seinem geistlichen Impuls schlug Holler eine Brücke von der Gegenwart in die Vergangenheit zu Silvester I., jenem Papst, der dem letzten Tag des Jahres seinen Namen gegeben hat. Auch er, so Holler, habe in einer Zeit des Umbruchs gelebt.
Silvester gilt als der erste Papst, der nicht mehr unter einer Verfolgung der Christen in Rom zu leiden hatte. „Das hat zu einer positiven Entwicklung des Christentums geführt“, betonte Holler. Zahlreiche Gotteshäuser seien in der Folge errichtet worden. Holler verwies auch auf das Konzil von Nizäa, das vor 1700 Jahren mit einem gemeinsamen Glaubensbekenntnis die Einheit der Christenheit gesichert habe.
Diese historischen Beispiele geben Hollers Auffassung zufolge Mut. Zwar könne niemand im Voraus wissen, was die Zukunft bringe. Wer freilich auf Gott vertraue und sein Schicksal in dessen Hände lege, könne getrost und mit Zuversicht ins neue Jahr gehen.
Virtuos eröffnete Christian Schmid das Orgelkonzert mit Dietrich Buxtehudes „Präludium in D“. Der als hauptamtlicher Kirchenmusiker in Isny im Allgäu wirkende Schmid wechselte bravourös zwischen freien, improvisatorischen Abschnitten und strengen Fugen. Die Klangpracht der Winterhalter-Orgel in der Martinskirche brachte er dabei voll zur Geltung.
Im Mittelpunkt des Orgelkonzerts stand der Choral „Allen Gott in der Höh‘ sei Ehr“ in zwei Bearbeitungen von Johann Sebastian Bach (BWV 662 und 664). Bach hat sich den Titel dieses Liedes als persönliches Motto ausgewählt. Und zwar in lateinischer Sprache: „Soli Deo Gloria“ – Gott allein gebührt die Ehre! Bach schrieb diesen Spruch immer wieder unter seine Kompositionen. So, als wollte er das auf keinen Fall vergessen: Gott die Ehre zu geben!
Gerahmt wurden Bachs Choräle vom „Rondo“ aus Johann Christian Heinrich Rincks „Flöten-Concert“ in F-Dur, Op. 55 und Théodore Dubois‘ „Cantilène religieuse“. Rincks frühromantische Komposition bezauberte durch spielerische Leichtigkeit und melodische Eingängigkeit, Dubois‘ lyrisches Orgelwerk entwickelte aufgrund der fließenden Melodieführung eine andächtig-transzendente Atmosphäre.
Dann war es soweit. Die Glocken der Martinskirche läuteten zum Jahreswechsel, während Pfarrer Thomas Holler den Segen spendete.
Mit dem Finale aus Louis Viernes „Symphonie Nr. 1“, Op. 14, einem der bekanntesten und triumphalsten Werke der französischen Orgelsymphonik, endete das Konzert. Die heroischen und mitreißenden Klänge, von Christian Schmid in großer rhythmischer Präzision vorgetragen, waren untermalt vom Feuerwerk vor den Toren der Martinskirche.